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Hauptnavigation > Sehenswertes/Historisches > Gemeinde Stolpe an der Peene

Zur Geschichte der Gemeinde Stolpe

Die erste urkundliche Erwähnung Stolpes reicht zurück bis ins Hochmittelalter, als 1136 in Stolpe der zum Christentum übergetretene pommersche Herzog Wartislaw I. aus dem Greifengeschlecht (der Greif im pommerschen Landeswappen entstammt seinem Wappen) von einem wendischen Edelmann ermordet wurde, und dadurch zum Märtyrer wurde. Die Söhne Wartislaws errichteten in Stolpe zum Gedächtnis an ihren Vater eine Kirche und setzten seine Leiche in ihr bei. Um die Christianisierung, für die Wartislaw gestorben war, weiter voranzubringen, stiftete sein Bruder Ratibor I. im Jahre 1153 ein Kloster. Dieses Kloster gehörte zum Benediktinerorden und war das erste in Vorpommern.

Die zum Kloster gehörenden Gebäude reichten zumindest von der heute noch stehenden Klosterruine ca. 100 m in östliche Richtung über die sog. Amtskoppel, die große Wiese oberhalb der Peene. In den 50er Jahren dieses Jahrhunderts wurden hier Fundamente ausgegraben, die später jedoch wieder zugeschüttet wurden. Das Kloster bestand bis zum Jahre 1637, als während des Dreißigjährigen Krieges die vereinten Brandenburger und Kaiserlichen Truppen bei Stolpe die Peene überschritten und das Kloster in Brand setzten, worauf es bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Der über 300 Jahre alte Fährkrug, nur einen Steinwurf vom früheren Kloster entfernt, wurde seinerzeit zum Teil aus Abbruchsteinen, die aus der Klosterruine stammten, gebaut. Man kann diese besonders großen Ziegelsteine, die somit aus dem Mittelalter stammen, in der zur Straße gelegenen Fassade des Fährkruges unterhalb und zwischen zweitem, drittem und viertem Fenster von links heute noch sehen. Sie sind erst während der Restaurierung des Gebäudes Anfang 1998 wieder zum Vorschein gekommen.

 Nach dem Westfälischen Frieden im Jahre 1648 wurde ganz Pommern schwedisch und Stolpe wurde schwedisches Krongut. Wenig später wurde es von der schwedischen Königin Christine dem Gouverneur von Schwedisch-Pommern Generalmajor Graf Steenbock geschenkt. Steenbock ließ sich in den ausgebrannten Klostermauern einige Zimmer herrichten. Nach dem Nordischen Krieg wurde Vorpommern 1720 im Frieden von Stockholm geteilt. Während der nördliche Teil bei Schweden verblieb, kam der südlich der Peene gelegene Teil zu Preußen, so dass die Peene Grenzfluss wurde. Stolpe wurde persönliche Domäne Friedrich Wilhelm I., des "Soldatenkönigs". Sein Ur-Enkel König Friedrich Wilhelm III. musste Stolpe als Folge des Tilsiter Friedens im Jahre 1807 an den preußischen Staat verkaufen, so dass es zur Staatsdomäne wurde. In den folgenden Jahrzehnten wechselte Stolpe noch mehrmals den Besitzer bis es in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts Bülowscher Besitz wurde. Allerdings hat nie ein Bülow das Gut selbst bewirtschaftet und selten wohnte der Gutsherr in Stolpe. Das Gut wurde meist verpachtet und die Pächter ließen das Gut in der Regel durch einen Verwalter, einen sog. Inspektor führen.

Es fiel in diese Zeit, dass der pommersche Heimatdichter Fritz Reuter häufiger in Stolpe zu Gast war. Reuter war sowohl mit dem Pächter Fritz Peters, der das Gut von 1853 bis 1880 gepachtet hatte, als auch mit seinen Inspektoren Rudolf Wiencke und später Friedrich Knitschky befreundet. Während seiner Aufenthalte in Stolpe zwischen 1853 und 1863 verbrachte Reuter viel Zeit im Fährkrug, in dem noch heute die Reuter-Bank an ihn erinnert, auf der er stets gesessen haben soll. Fritz Reuter verarbeitete seine Zeit in Stolpe in der "Urgeschicht von Meckelnborg". Dem Inspektor Knitschky und der Gutsmamsell Caroline Neukirch setzte er in diesem Werk ein literarisches Denkmal. An sie erinnern noch heute gusseiserne Grabkreuze auf dem Stolper Friedhof. Man findet ihn in der Stichstraße, die vor dem Fährkrug links von der Dorfstraße abgeht, neben der alten Dorfschule. (Er ist nicht zu verwechseln mit dem kleinen Friedhof neben der Wartislaw-Kirche, der nur dem Gutsherrn und seinen Angehörigen vorbehalten war). In der "Urgeschicht von Meckelnborg" heißt es einleitend: »Ick stah anno domini 1860 tau Kloster Stolp bi Anklam in den Goren un kik mit den Herrn Entspekter Knitschky oewer den Gorentun ... - bum! seggt dat unner em. - "Dunner nich enmal!" segg ick, "wat's dit!" - "Ja", seggt hei un lacht so recht vennynschen, "Sei sünd so'n klauk Küken un weiten allens, willen ok en utgelihrten Ökonomiker sin, un nu weiten S' nich mal, dat Stolp en Kloster west is un dat hir unner uns all' holl un boll is? Hir geiht jo de unnerirdische Gang unner de Peen dörch".«

Der letzte Bülowsche Gutsherr auf Stolpe war der kgl. preußische Oberstleutnant Hans v. Bülow, der wie seine Vorfahren zunächst im Militärdienst fern von seinem Besitz gedient hatte. Erst nach dem I. Weltkrieg wohnte Hans Bülow ständig in Stolpe. Er und seine Frau Sophie, geb. v. Maltzan, Freiin zu Wartenberg und Penzlin, hatten keine Nachkommen, so dass ein Erbe für das Gut fehlte. Nachdem Sophie Bülow 1920 gestorben war und das Gutshaus ohne weibliche Führung war, adoptierte Hans Bülow im Jahre 1921 die damals 17jährige Ursula v. Maltzan, Freiin zu Wartenberg und Penzlin, eine Nichte seiner Frau. 1926 heirate Ursula Bülow-Maltzan Kurt Stürken, der aus einer Hamburger Kaufmannsfamilie stammte, aber in Göttingen Landwirtschaft studiert hatte. Kurt Stürken sanierte das verschuldete Gut und baute in Stolpe und Neuhof einige neue Wirtschaftsgebäude, die man noch heute an den Jahreszahlen erkennen kann. Die Verbindung Bülows und Maltzans zu Stolpe ist auch in der Wartislaw-Kirche gegenüber dem Gutshaus dokumentiert. In dem rechten der drei Fenster hinter dem Altar ist das Maltzansche Wappen mit zwei Hasenköpfen und einem Weinstock abgebildet. Rechts davon öffnet sich ein Spitzbogen zum Raum des früheren Gutsherrnstuhls. Man kann heute noch den in der volkseigenen Zeit zugemauerten separaten Eingang erkennen, durch den früher der Gutsherr mit seiner Familie die Kirche betreten hat. Links davon sieht man das Bülowsche Wappen mit seinen 14 goldenen Kugeln auf blauem Grund.

  

Die Wartislaw Kirche ist 1893 erbaut worden und ersetzte die heute noch neben der Klosterruine stehende alte Kapelle, die dann als Leichenhalle verwendet wurde.
Quellen:
K. Weber, Beitrag über die Geschichte Stolpe in "Mitteilungsblatt für das Amt Krien", 11.2.1997
Arnold Hückstädt, "Reisen zu Fritz Reuter", Berlin 1990
Diverse Aufzeichnungen in Familienbesitz

 

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